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Netze + Speicherung
Electricity Network Tariff Practices

Ländervergleich – Unterschiede in der Netzgebührenpraxis

01.04.2025

Die Stromnetzentgelte sind ein zentrales Element der Energiewirtschaft und haben großen Einfluss auf die Kostenstruktur von Haushalten, Unternehmen und Energieversorgern. Sie dienen der Finanzierung von Bau, Betrieb, Wartung und Ausbau der Stromnetze, die als kritische Infrastruktur die Stromversorgung sichern. Gleichzeitig fungieren Netzentgelte als Lenkungsinstrument zur Steuerung des Verbrauchsverhaltens und zur Integration neuer Technologien wie Photovoltaik, Elektroautos oder Batteriespeicher.

In Europa und darüber hinaus bestehen jedoch erhebliche Unterschiede in der Gestaltung dieser Tarife. Diese Unterschiede spiegeln nationale regulatorische Rahmenbedingungen, politische Prioritäten und technische Gegebenheiten wider.

Deutschland

Deutschland verfolgt einen hochregulierten Ansatz. Die Bundesnetzagentur legt die Rahmenbedingungen für die Berechnung der Netzentgelte fest, die von den über 800 Netzbetreibern individuell umgesetzt werden. Die Entgelte setzen sich aus einem fixen Grundpreis und einem verbrauchsabhängigen Arbeitspreis zusammen. Besonderheiten sind die Entgelte für Industrieunternehmen mit atypischem Verbrauchsverhalten sowie die Befreiung bestimmter Großverbraucher.

Derzeit wird in Deutschland die Einführung von leistungsbasierten Tarifen (Capacity-Based Tariffs) diskutiert, die Nutzer je nach Anschlussleistung und zeitlicher Last belasten sollen. Ziel ist es, Netzspitzen zu reduzieren und Flexibilität zu belohnen.

Frankreich

Frankreich setzt auf eine zentralisierte Tarifstruktur. Die Netzbetreiber RTE (für das Übertragungsnetz) und Enedis (für das Verteilnetz) wenden standardisierte Tarife an, die von der Regulierungsbehörde CRE genehmigt werden. Die Stromkunden wählen aus verschiedenen Tarifoptionen, z. B. "Heures Pleines / Heures Creuses" (Spitzen-/Nebenzeiten), die je nach Verbrauchsverhalten vorteilhaft sein können. Frankreich nutzt also bereits Time-of-Use-Modelle, um Verbrauchslenkung zu ermöglichen.

Vereinigtes Königreich

Das UK verfolgt einen marktorientierteren Ansatz. Unterschiedliche Regionen weisen unterschiedliche Netzgebühren auf. Das Modell "RIIO" (Revenue = Incentives + Innovation + Outputs) fördert Anreize für Effizienz, Innovation und Kundennähe.

Zudem werden zunehmend flexible Tarife eingeführt, insbesondere im Zusammenhang mit "smart meters", die dynamische Preissignale übertragen können. Ein Beispiel sind "Agile Tariffs", bei denen sich die Netzentgelte stündlich ändern und Nutzer durch Verbrauchsverlagerung Stromkosten sparen können.

Skandinavische Länder

In Skandinavien, insbesondere in Norwegen und Schweden, liegt der Fokus auf Flexibilität und Kostentransparenz. Norwegen etwa implementiert locational marginal pricing-Modelle und differenziert Tarife regional je nach Netzbelastung. Schweden plant die Umstellung von volumenbasierten auf leistungsbasierte Netzentgelte für Haushalte. Diese Modelle setzen einen hohen Digitalisierungsgrad voraus, etwa durch flächendeckende Smart-Meter-Infrastruktur.

Vereinigte Staaten

In den USA existiert ein Flickenteppich unterschiedlicher Modelle auf Bundesstaatsebene. Kalifornien ist Vorreiter in der Einführung dynamischer und verbrauchsorientierter Netzgebühren. Dort gibt es z. B. "demand charges" für die Höchstlast in einem Abrechnungszeitraum. In anderen Bundesstaaten dominieren weiterhin statische Tarife mit geringer Differenzierung.

Fazit: Ein klarer Trend lässt sich aus den internationalen Beispielen ableiten: Der Übergang von statischen, volumenbasierten Netzentgelten hin zu dynamischen, leistungs- oder lastbasierten Tarifen, die Verbraucher und Erzeuger zu netzdienlichem Verhalten anregen. Die konkrete Ausgestaltung hängt jedoch stark vom regulatorischen Umfeld, der Netzinfrastruktur und dem politischen Willen ab.

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